Dieter Marbach

Schnecken im Garten – eine Plage?

(September 2016)

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin kein Schädling. Ich bin eine Weinbergschnecke und heisse Friedrich.

Wir Weinbergschnecken fressen wie die meisten «Hüslischnägge» nur totes Pflanzenmaterial und vergreifen uns nicht an Salat, Blumen und Co. Im Gegenteil, wir geniessen die Eier von Nacktschnecken wie der berüchtigten Rostschnecke. Ausserdem sind wir geschützt.

So richtig wohl ist es uns wie allen anderen Schnecken, wenn es schön feucht ist. Zum Beispiel unter hohl liegenden Brettern mit Pflanzenresten verstecken wir uns besonders gern. Clevere Gärtner wissen das und sammeln uns da ein – und dann «Guet Nacht», lieber Friedrich!

Überhaupt haben die Gärtner dazugelernt und kennen raffinierte Methoden, um uns loszuwerden. Im naturnahen Garten erledigen so genannte Nützlinge wie Igel, Spitzmaus, Kröte oder Blindschleiche die Drecksarbeit und fressen uns. Auch vor Amsel, Star und Elster sind wir nicht sicher. Und über unseren Nachwuchs machen sich Käfer, Glühwürmchen und Tausendfüssler her.

weinbergschnecke

Manche Gärtner haben gemerkt, dass wir Schnecken nachtaktiv sind. Sie giessen deshalb nicht mehr abends, sondern früh am Morgen. So bleibt die Erde über Nacht trocken und wir können nicht zu den Pflanzen hinkriechen; zu wenig Schleim, verstehen Sie? Besonders schwierig wird es, wenn der Gärtner jede Pflanze einzeln giesst und nur alle zwei oder drei Tage, dafür aber umso kräftiger. Auch so bleibt der Boden um die Pflanzen herum trocken.

Was wir auch nicht mögen, sind raue Oberflächen. Die ganz Gescheiten streuen deshalb einen breiten Streifen Sägemehl um die Beete. Und Kalk, der unsere Haut verätzt. Bei Regen stört uns dies allerdings nicht sonderlich. Dafür setzen uns Kaffee und Kaffeesatz zu und auch Extrakte zum Beispiel aus Farnkraut, Lebermoos oder aus Kompost.

Der Gärtner in meinem Garten hat übrigens gemerkt, dass am wirksamsten ist, wenn man mehrere Methoden kombiniert, was er seit neuestem kaltblütig durchzieht. Aber jetzt reichts! «Friedrich», habe ich mir gesagt, «es ist Zeit zu gehen und in Nachbars Garten auszuwandern; ich lass mich doch hier nicht zur Schnecke machen!»